Also, da ich mich für einen vernunftbegabten Menschen halte, der auf alle Ärgernisse des Lebens ruhig reagiert, versuche ich mich mal in sachlicher Kritk an Empire Total War.
Wie mein Klassenlehrer in der fünften Klasse immer sagte: "Beginnt mit dem positiven." So will i.
Ich muss dazu sagen das ich
a) Auf Rome Total war eher zufällig gestoßen bin, doch als ich das Spiel angespielt hatte war mir klar das dies ein großartiges Konzept ist. Und seit ich Rome spiele warte ich auf einige Features:
b) Mich in meiner Kritik auf den Singleplayer beschränken werde.
Flottenkämpfe:
Sehr schön! Ich freue mich das sich die Total War Reihe diesem lange vernachlässigtem Kind gewidmet hat. Endlich kann ich mal damit beginnen Flotten aufzubauen und die Meere zu beherrschen. Und man kann sagen, vielleicht liegt es auch nur daran das es neu ist, es macht mir riesenspaß! Kanonengrollen, herumfliegende Holzsplitter und Plankenteile, Schiffe die brennen, explodieren und realistisch sinken.
Ein ganz großes und dickes Plus für eure Arbeit an den Schiffskämpfen, und auf See agiert die KI auch sehr aggressiv.
Schlachtfelder:
Die Schlachtfelder sind eine sehr schöne Arbeit, Zäune und Steinwälle sowie hügelige Landschaften und Häuser die man besetzen kann bedeuten viel taktische Tiefe. Allerdings muss ich zu diesem Punkt später noch zurückkehren.
Kampagnenkarte:
Manche sagen sie sei zu unübersichtlich, das finde ich nicht. Ich finde sie sehr schön gestaltet. Vor allem die größe gefällt mir, mit 3 Kontineten und unzähligen Provinzen bietet mir ETW um einiges mehr als Medieval 2 oder Rome.
Dörfer in den Provinzen:
Eine tolle Idee! Endlich schluss damit das man sich nur hinter seinen Mauern eingräbt und die Gegner anrennen lässt. Wie ich es mehr als 100 mal in Rome oder Medieval 2 gemacht habe. Wer sein Umland nicht verteidigt muss damit rechnen das es total verwüstet werden kann.
Technologiebaum:
Eine nette Idee die dem Spieler ermöglicht seinen eigenen Weg zu wählen. Während ich mit Preussen zum Beispiel schnell versuche meine Armee zu verbessern setze ich mit Großbritannien eher auf verbesserung der Wirtschaft.
Kommen wir nun zu den negativen Punkten, hierbei werden sich einige der oben genannten Punkte wiederfinden und leider Gottes wir der folgende Teil recht lange. Ich werde nicht immer in der Lage sein Lösungen zu präsentieren, zumeist möchte ich nur aufzeigen was man hätte besser machen können und was noch implementiert werden müsste um ETW zum besten Spiel der TW Reihe zu machen.
Die KI ist so eine Krux. Sie agiert einfach nicht mehr so aggressiv wie sie es in Rome oder Medieval 2 tat.
Ich nenne hier mal ein Beispiel:
Ich spiele mit Sizilien in Medieval 2 (SS/SS). Gleich zu beginn fangen Mailand und Venedig an mein kleines Reich zu demontieren. In etlichen sehr spannenden Schlachten versuche ich zu überleben bis mir klar wird das ich keine Hoffnung habe. Also lade ich meine Familientmitglieder und die restlichen Truppen auf ein Schiff, schließe mich dem Kreuzzug an und erobere Jerusalem. Ich erobere noch 2 Städte in der Nachbarschaft bevor meine raft erschöpft ist und schließe daher einen teuren frieden mit meinen Nachbarn. Da ich weiß, dass sich die KI nur an den Frieden hält wenn es sich für sie auszahlt bleibt die Spannung erhalten und ich spiele noch 2 Real Life Wochen daran meine Macht auszubauen.
In Empire ist dies jedoch ein vielbeklagtes System. Ich kann mich mit Preussen mit Sachsen und Großbritannien deswegen schlagen weil sich GB niemals einmischt. Andere Nachbarländer nutzen meine Schwäche nicht aus, Verbündete und Protektoren bleiben still während ich mir Provinz um Provinz inverleibe. Keine diplomatische Reaktion auf meine wachsende Stärke.
Verwundert und enttäuscht war ich darüber das absolute Ebbe herrscht was Kriegführung angeht. Europa ist friedlicher als heutzutage, Amerika ein blühendes Paradies der Eintracht und auch in Indien sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht.
In Rome und Medieval 2 schlugen sich auch die KIs untereinander mit aller Macht. Das führte oft zu überraschenden Ergebnissen, wenn zum Beispiel Schottland ganz England beherrschte. Es war ständig Krieg, allerdings wurde auch wieder Frieden geschlossen wen eine Seite zu unterliegen drohte. Man hatte das Gefühl die KI wäre darauf programmiert Land zu gewinnen und seine Macht auszubauen. In ETW agiert sie eher nach dem Motto: "Bloß nichts riksieren".
Lösung:
Ich denke dieser Punkt lässt sich noch sehr einfach beheben in dem die Entwickler dafür Sorge tragen das die KI ihre alte Aggressivität wieder erhält. Ich spiele "Total War" und nicht "Total Frieden".
Zusatz:
Nein, ich möchte mich nicht auf Modder verlassen! Respekt vor deren Arbeit aber sie gestalten das Spiel immer gleich grundlegend um und viele Änderungen vor allem an der Spielphysik gefallen mir überhaupt nicht.
Schlachtkarten:
Hmja, die große Frage die sich mir heir stellt: Wieso hat man nicht wieder eine Schlachtkarte welche die Position auf der Kampagnenkarte wiederspiegelt?
Ich meine: Wir spielen hier doch ein Spiel in dem es nicht nur in den Schlachten sondern auch davor darum geht taktisch zu denken.
Auf einmal ist es egal ob ich einen Fluß verteidige oder an einem großen Berg stehe, ob ich das Meer im Rücken habe oder im tiefen Wald kämpfe. Auch die positionierung der eigenen und verbündeten Armeen ist sinnlos geworden dadurch das die Verstärkung nicht mehr von da kommt von wo ma sie vermuten würde.
Das ist ein Punkt....da fällt mir nichts zu ein. Ich verstehe nicht wieso man so etwas was sich seit Rome bewährt hat nicht mehr einbaut. Ich hoffe das man da noch etwas machen kann, selbst wenn es eben bedeutet das ihr weitere Karten entwerfen müsst. Aber von TW erwarte ich schon etwas.
Stammbaum und Generäle:
Schon klar das es nicht mehr eine so große Rolle gespielt hat das man zum Königshaus gehörte um ein Kommando zu bekommen. Daher finde ich die Idee mit den Generälen welche man kauft auch grundsätlich nicht schlecht. Musste man deswegen aber gleich ganz auf den Stammbaum verzichten?
Man könnte doch immer noch einen Stammbaum für die Königsfamilie einführen um auch seinen Erben zu bestimmen.
Was mich zum nächsten Punkt führt: Warum spielen weibliche Charaktere keine Rolle mehr? Politische Heiraten sind immer noch so wichtig wie in den Jahren zuvor. Das war eine tolle Sache bei Medieval 2 und die Tatsache das man nur hundert Jahre hat lässt einen zweimal überlegen an wen man seine liebste Tochter vergibt.
Auch die Eigenschaften der Generäle haben ziemlich abgenommen, vielleicht habe ich nur das Gefühl aber es schienen mehr gewesen zu sein. Was mir hier einfällt ist, dass nicht mehr alles angezeigt wird wenn ich über eine Eigenschaft scrolle sondern ich muss die Maus darüber halten und die sich abwechselnden Texte lesen. Das ist nicht sehr übersichtlich.
Lösung:
Letzteres ist wohl eher ein Fingertrick, dürfte sich leicht lösen lassen. Der Rest, tja, ich persönlich würde sagen: Zurück ans Reißbrett. Allerdings hege ich keine Hoffnung das sich da noch etwas tut. Ich versuche aber hier einfach mal meine Kritik zu bündeln in der Hoffnung das man es sich zu Herzen nimmt.
Die Einheiten(vielfalt):
Hier fokussiere ich mich zuerst vor allem auf die Klonarmeen. Da hat sich zwar ein bisschen was getan seit dem letzten Patch, aber ich hoffe mal das dieses Thema damit nicht abgehakt ist. Es war eine tolle Sache bei Medieval 2 das die Soldaten unterschieden und zwar so sehr das ich nciht bis ganz nah ran zoomen muss um überhaupt einen Unterschied zu erkennen.
Zum zweiten die Vielfalt an Truppen an sich. Hier haben die kritikeer schon recht wenn sie das bemängeln. Es sind ihrer nicht so viele und auch zwischen den Völkern sind die Unterschiede recht klein. In Medieval 2 konnte ich auf viele Einheitentypen zurückgreifen die mehr doer weniger Rassenspezifisch waren und meine Armee von anderen abhob, auch optisch.
Auch das Feature das Einheiten dreckig und blutig wurden je länger und härter sie gekämpft hatten war ein großes Plus bei Medieval 2 und es fehlt mir bei ETW definitiv.
Ich KÖNNTE da jetzt weiter einsteigen und alle meine Argumente in diesem Teil durch Screenshots belegen, aber ich denke ihr wisst was ich meine.
Lösung:
Teil 1 + 2 liesse sich vielleicht noch einbauen, das mit der Einheitenvielfalt hat sich wohl erledigt.
Gefangene:
Warum kann man keine Gefangenen mehr nehmen und sie auslösen lassen?
Lösung: Dürfte wohl auch noch recht einfach zu machen sein, wobei ich sowieso das Gefühl habe das es geplant war.
Belagerungen:
Die gehen irgendwie etwas rasch. Bei medieval und Rome fing die Überlegung schon dort an wo man sich entscheiden musste welche Belagerungseräte zu bauen sind. Dann musste man warten bis sie fertig sind während der Gegner Ausfälle machen konnte. Kurz: Belagerungsschlachten waren lang und die Belagerungen auch, sie waren aufgrund der harten Kämpfe in den Städten und auf den Mauern Verlustreich, vor allem weil die Türme noch gute Deckung gaben. Das Belagerungserät konnte verbrennen etc.
Bei ETW ist es eher so das man nicht viel machen muss. Man belagert eben ein Fort/eine Stadt. Bei Forts ist es besonders schlimm, die nimmt man im Sturm. Einfach ranrennen, Seile hoch, das wars. Das liegt vor allem daran das die Artillerie des Forts zu schlecht ist und das Verteidigungsfeuer zu wenig intensiv.
Belagerungen sollten schon so schwer sein das sie fordern und vor allem sollte man auf Hilfsmittel zurückgreifen können/müssen wie zum Beispiel Schützengräben um an die Mauern zu kommen oder Tunnel um sie zum Einsturz zu bringen.
Lösung:
Punkt 1 ist eher eine Einstellung, Artillerie und Abwehrfeuer mit stark erhöhter Reichweite und Durchschlagskraft.
unkt 2, naja das wäre schön, aber große Content Änderungen können wir wohl eher nicht mehr erwarten.
Feeling:
Hier geht es mir vor allem um die fehlende musikalische Untermalung vor allem bei marschierender Infanterie. Sowas gehört einfach dazu.
Lösung:
Hier gibt es ja schon einige gute Mods, man muss nur zugreifen und sie implementieren, vielleicht noch etwas ergänzen und verbessern.
Also kommen wir zum Fazit:
ETW hat(te) viel Potential. Aber viele feature aus Medievl 2 wurden aus meiner Sicht ohne Grund weggelassen was dem Spiel eher den Touch eines Rückschrittes gibt. Einige Sachen lassen sich ja noch leicht ändern, bei den anderen liegt es an den Entwicklern und wie viel Zeit sie investieren wollen und dürfen. Bisher steht Medieval 2 aber vom Singleplayer Spielspaß ganz klar weit vor ETW.
...and in case we dont see ya...
good afternoon,
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